Juristischer Gedankensalat

Rund um das Studium der Rechtswissenschaften

Der subsumierte Jurist – Interview Fragen an Omnimodo Facturus

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In der Reihe “Der subsumierte Jurist” geht es zwar auch um Jura, aber andersrum.
Warum sind Juristen Juristen? Und wie sehen sie eigentlich das Studium? Und gibt
es den goldenen Tipp um das Studium zu überleben?

Die drei Jungs von Omnimodo Facturus machen passende Shirts und Taschen zum Jurastudium.  Neben den Must-Haves „4 gewinnt“,„Staat-Sex-Amen“ und „18 Punkte Kandidat“, finden sich im Katalog viele Shirts mit passenden Sprüchen aus und für das Jurastudium. Ein Grund mehr mal nachzufragen, wie sind Jungs auf die Idee gekommen? Warum ausgerechnet Jura?

Juristischer Gedankensalat: Wie seid ihr auf die Idee gekommen Omnimodo facturus zu gründen? 

Omnimodo Facturus: 

In der Social-Media-Generation läuft einem solch eine Idee geradezu in die Arme. Es gibt viele Aspekte, die ausschließlich Juristen verstehen, und auch – losgelöst vom Rechtlichen – das Jurastudium als solches einzigartig machen. Wenn man dies in 1-2 Sätzen oder auch nur durch ein einziges Wort wiedergeben kann, und jeder weiß sofort was gemeint ist, macht das einfach Laune, allein schon aufgrund des Zugehörigkeitsgefühls. Darüber hinaus mag gerade der etwas lockere Ton der Seite (wir nehmen uns ja nicht mal in unseren Widerrufsbelehrungen ernst) so gut ankommen. Schließlich haben auch Jurastudenten ein gewisses Profilierungsbedürfnis und wollen sich etwaigen Vorurteilen – Langweiler, Streber, trockene Gesetzesauswendiglerner – entziehen. Und wir dachten uns, dass es doch nicht schlecht wäre, man das dann auch durch das Tragen individueller Shirts „ausleben“ kann (hinzu tritt natürlich, dass man als Außenstehender oft nicht weiß, was man einem Jurastudenten schenken soll; dann macht man den größten Fehler und schenkt ihm pseudojuristische Literatur wie „die schönsten Stilblüten“ etc.; mit omnimodo facturus besteht nunmehr eine Alternative ;-).

Juristischer Gedankensalat: Warum eigentlich „Omnimodo facturus“ als Name?

Omnimodo Facturus: 

 Omnimodo facturus ist für eine juristische Marke geradezu prädestiniert. Es ist einerseits ein extrem akademisch anmutender Fachterminus (und ist auch tatsächlich eher ein akademisches Problem), hat aber auch einen vom Strafrecht losgelösten Bezug für das gesamte Jurastudium bzw. ist auch ein Lebensmotto: nämlich, die Dinge, die man anpackt „fest entschlossen“ durchzuziehen, und zwar von Anfang an und nicht auf die Hilfe bzw. auf die Motivation durch andere zu warten.

Juristischer Gedankensalat: War Jura eure erste Wahl?

Omnimodo Facturus: 

Musti:

Nope, ich wollte Schauspieler bzw. Sänger werden. Oder Rapper. Aber meine Eltern meinten, ich solle erst studieren. Ich bin anfällig für Paternalismus und so habe ich mit einem relativ miesen Abitur (Bio war die falsche LK-Wahl) das Jurastudium begonnen. Aber das hat mir – auch aufgrund der Professoren, die ich in allen drei Fächern hatte – von Anfang an super gefallen. Und es leuchtete mir ein, als mein Vater mir sagte, Rapper kannst du auch nach dem Jurastudium werden 😀 (jetzt bin fast 30 und Akademiker und integriere die Punchlines in meine Strafrecht BT II-Klausuren, bspw.: „Bumerang-Hersteller B macht gerne krumme Dinger und tut sich mit Tischtennisanfänger T zusammen, der häufig falsche Angaben macht…“).

Juristischer Gedankensalat: Ein Vorurteil sieht den Jurastudenten im Poloshirt und die Damen mit Perlenkette. Könnt ihr das so bestätigen?

Omnimodo Facturus: 

Teo:

Ist ja nichts Schlimmes dabei. Manchen stehts und manchen eher weniger. Aber es gibt auch viele Öko-Tanten, Typen, die in ihrem grünen Adidas-Anzug samt Bauchtasche aussehen wie Drogenkuriere (und im Regelfall nicht nur so aussehen). Ich würde sagen, es darf schlicht nicht aufgesetzt wirken. Das Klischee entsteht also nicht von ungefähr, aber den Großteil macht dieser „Stil“ nicht aus.

Juristischer Gedankensalat: Wenn ihr die Chance hättet für 24 Stunden eure Juristische Fakultät zu leiten, was würdet ihr tun? 

Omnimodo Facturus: 

Musti:

Ich würde den Studienplan ändern (und vom Abschlussklausurensystem zurück zum kleinen Schein; weiß nicht, ob das etwas Spezifisches unserer Uni ist); dann würde ich Erholungsräume für Studenten nahe der Bib (Kicker, Liegen, Sofas etc.) einrichten. Hmmm, ich glaube das Dekanat in ein orientalisches Shisha-Cafe samt Spielautomaten umzuwandeln ginge zu weit.

Juristischer Gedankensalat: Seht ihr Gerechtigkeit heute anders?

Omnimodo Facturus: 

Musti:

Ehrlich gesagt ist mir der Begriff zu aufgeladen, ich kann mit dem nicht rumhantieren. Aber seit dem Studium weiß ich, dass es bei dem ausgelutschten Spruch „Recht ist nicht Gerechtigkeit“ bleibt, aber während dem Studium der Rechtswissenschaft viel zu selten der Versuch unternommen wird, den Bezug herzustellen, also den Studenten zu zeigen, wie durch Recht bzw. durch eine Rechtsordnung Gerechtigkeit hergestellt werden kann. Auch ist das Fach durch den bereits sehr früh ausgeübten Leistungsdruck sehr auf Konkurrenzdenken gepolt, was wahrlich kaum den Charakter und damit u.U. auch das Gerechtigkeitsgefühl schulen kann. Das war meine sehr allgemein gehaltene Antwort auf diese Frage, die jedes Interview ins Stocken geraten lässt 😀

Juristischer Gedankensalat: Gibt es einen goldenen Tipp, den ihr jedem Jurastudenten geben würdet?

Omnimodo Facturus: 

Schwierig. Man sollte möglichst schnell herausfinden, welcher Lerntyp man ist. Ferner sind Zeitpläne nicht schlecht, in denen man „Belohnungen“ einbaut (in Form von Freizeit bzw. Einkäufen oder sonst irgendwas); und was man tunlichst vermeiden sollte, ist das Aufstapeln mehrerer Gesetze, Skripten und Lehrbücher auf seinem Platz, obwohl man nur eines benutzt. Gerade in der heißen Lernphase sollte man auf „Sekundärliteratur“ (und das ist jetzt untechnisch gemeint) nur zurückgreifen, wenn man das Problem – so wie es im favorisierten Buch erläutert wird – schlicht nicht versteht; vielleicht wird gerade diese Problematik an anderer Stelle besser erklärt bzw. anhand eines Beispiels gut demonstriert.

Juristischer Gedankensalat: Gibt es eine juristische Frage, die euch noch nie gestellt wurde, die ihr aber gerne beantworten würdet?

Omnimodo Facturus: 

Ja,  schon: Warum versagt die Lehre vom innewohnenden Wert (lucrum ex re) in Versuchskonstellationen? Weil es sich bei der Zueignungsabsicht um eine überschießende Innentenden handelt. Wenn also der Täter ein bereits leeres Sparbuch wegnimmt und seine Zueignungsabsicht sich auf das (nicht vorhandene) Guthaben bezieht, ist der Diebstahl in diesem Moment vollendet, obwohl rein vom Gefühl her lediglich ein Versuch gegeben ist.

Juristischer Gedankensalat: Haltet ihr die althergebrachte Juristenausbildung für die richtige?

Omnimodo Facturus: 

Nope, eher nicht. Es sollte die Regelstudienzeit verlängert werden, mehr Grundlagen und methodisches Wissen vermittelt, die Sprache geschult und das Zweite Staatsexamen dergestalt abgeschafft werden, als das „praktische Schreiben“ bereits im Ersten Staatsexamen abgefragt wird (dies bedeutet, dass Verfügungen, Urteilsstil etc. schon während des Studiums durch Praktiker gelehrt werden sollten); stattdessen sollte das Referendariat ohne Prüfungs- aber mit Leistungsdruck absolviert werden (aufgrund der Note wäre insofern auch bereits zu diesem Zeitpunkt ein Referendariatsschwerpunkt denkbar).

Juristischer Gedankensalat: Wo seht ihr euch in 5 Jahren mit Omnimodo facturus?

Omnimodo Facturus:

Teo:

An einer brennenden Mülltonne 😀

 

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