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TV-Tipp: Der Fall Harry Wörz

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Bereits am Mittwoch lief auf ARD der Film „Der Fall Harry Wörz“. Ein Film über einen Justizirrtum, einem Justizirrtum wie aus der Filmschmiede.
Harry Wörz aber ist real, der Film basiert auf dem Fall „Andrea Z.“ aus dem Jahre 1997. An dieser Stelle nur eine kurze Zusammenfassung (die dem Fall nicht gerecht wird!):

Harry Wörz wurde 1997 verhaftet, ihm wurde vorgeworfen seine getrennt lebende Ehefrau Andrea stranguliert zu haben, in der Absicht sie zu töten. Die Frau überlebte, ist jedoch seither ein Pflegefall und kann sich nicht zum Tathergang äußern.
1998 wurde Wörz vom LG Karlsruhe in einem Indizienprozess zu 11 Jahren Gefängnis wegen versuchten Totschlags verurteilt. Die Revision verwarf der BGH 1998.
Der Strafprozess wurde unter einem anderen Licht beurteilt, als im Rahmen eines Schmerzensgeldprozesses vor dem LG Karlsruhe die Klage 2001 abgewiesen wurde. Die Begründung war: Es bestehen Zweifel an der Schuld des Angeklagten.
Nach zwei Anträgen auf Wiederaufnahme des Verfahrens wurde Wörz im Oktober 2005 „aus Mangel an Beweisen“ freigesprochen (LG Mannheim, BGH 1 Str 180/06), das Urteil wurde 2006 durch den BGH aufgehoben, im anschliessenden Wiederaufnahmeverfahren vor dem LG Mannheim wurde Wörz 2009 freigesprochen.

Den ganzen Fall mit vielen Unterlagen, Prozesseinblicken und vielem mehr dokumentiert Harry Wörz auf seiner Webseite: Harrywoerz.de

Lesenswert dazu auch: Editorial NJW 25/2007 – RA Sauer, Der Mensch als Mahlgut in der Justizmühle und der Beitrag von Jochen Thielmann auf lto.de „Der Fall Harry Wörz – Der falsche Mann“ 

Der Film ist in der ARD Mediathek verfügbar -> Klick!

Ein sehenswerter Film, eine lesenswerte Webseite!

Mich hat der Film sehr mitgenommen. Die Ungerechtigkeit springt einem förmlich ins Gesicht. Der Fall des Herrn Wörz ist aber kein Einzelfall. In den letzten Jahren sind immer häufiger „Justizirrtümer“ durch die Medien gegangen. Die bekanntesten dürften Gustl Mollath und Horst Arnold sein.

Als Jurastudent hat man diesen Anspruch genau solche Dinge zu vermeiden. Ich stelle mir die Fragen: Wie konnte das passieren? Was haben sich die Beteiligten denn nur dabei gedacht?!

Herrn Wörz wünsche ich alles erdenklich Gute!

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