Juristischer Gedankensalat

Rund um das Studium der Rechtswissenschaften

Studie zur Studierendensituation – Nur Graue Theorie?

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Auf den Seiten der Uni Trier findet sich ein Link zur aktuellen Studie zur Studiensituation und Studentische Orientierung.
Weil ich als Jurastudent unmengen Freie Zeit habe, mich dafür interessiere was so eine Studie denn schönes aussagt, habe ich das ganze mal gelesen.
Interessant ist es allemal, einige Punkte sind auch tatsächlich (zumindest von mir) zu bejahen.
Gerade im Zuge des Bologna Prozesses und der vielen, vielen verschiedenen Aussagen zum Jurastudium, Perspektiven und überhaupt der Zukunft der Juristen, stellen sich mir doch noch jede Menge Fragen.

Nur einige der Punkte die unser Fach betreffen:


Höchster Prestigegewinn in der Rechtswissenschaft
Die Studierenden der Rechtswissenschaft erwarten seltener als andere intellektuelle Autonomie. Dafür erwarten sie am häufigsten
später eine hohe soziale Position zu bekleiden.Etwas überdurchschnittlich sind ihre Erwartungen an den ökonomischen, aber auch am den sozialen Nutzen; eher unterdurchschnittlich ist ihre Erwartung, mehr über ihr
Fach zu erfahren. (siehe dazu auch Tabelle 24)

Woran mag das liegen? War es nicht so, dass sich das Bild des Juristen der grundsätzlich erfolgreich, anerkannt, respektiert und sowieso reich war, in den letzten Jahren geändert hat? Da waren doch schöne Sätze zu lesen wie: „Mit Anwälten kann man die Strasse pflastern.“ oder Berichte über Anwälte die mit Hartz 4 aufstocken müssen. Da frage ich mich: Wie denkt ihr darüber?
Ist es tatsächlich so wie in der Studie festgestellt?
Ist es möglich mit geringem Interesse am Fach selbst, erfolgreich zu studieren?



Ähnlich gering ist die Fachidentifikation in der Rechtswissenschaft und in den Wirtschaftswissenschaften, wo 72% bzw. 74% nochmals das gleiche Studium beginnen wollen.

Diese Aussage wiederum, kann ich nachvollziehen. Ich denke, wenn ich persönlich die Wahl hätte mich nocheinmal zu entscheiden, dann wäre Jura nicht nochmal meine Wahl. Woran es liegt? Die Studiensituation, der Lernaufwand, Finanzen und auch der nächste Punkt:


Erfolgsorientiert geben sich am häufigsten die Studierenden der Rechtswissenschaft: Für 78% von ihnen kommt es sehr darauf an, ein gutes Examen abzulegen

Der Erfolgsdruck und das ständige Aufrechterhalten dieses Drucks. Ich habe noch keinen einzigen Professor, AG- Leiter oder Tutor erlebt der nicht Sätze wie „Ein Gutes Examen öffnet Ihnen alle Türen“ oder „Denken sie immer an Ihre Benotung, 4 Punkte sind zwar bestanden aber gut ist das nicht.“ in die Gegend geworfen hätten. Elitäres Denken hat sicherlich etwas für sich, aber die Art und Weise wie es vermittelt werden soll scheint denen vorbehalten zu sein die es sich leisten können genau diese Sätze zu sagen. Meine Erfahrung ist leider auch die, dass der Studierende der eine eher schlechte Leistung gebracht hat nicht so ernst genommen wird wie jemand der eine Prädikatsleistung nach der anderen abliefert. Dabei scheint es auch völlig abwegig zu sein Unterschiede zu sehen zwischen denen die vom Elternhaus finanziert werden und denen die neben dem Studium auch noch ein Leben haben das finanziert und organisiert werden muss.
Als Ausrede für jeden Notendruck muss dann eben dieses herhalten:


Die Rechtswissenschaft fällt dagegen durch ihre viel schlechtere Notengebung in Klausuren wie im Abschlussexamen auf, weshalb der Examenserfolg für die Studierenden dieses Faches stärker im Vordergrund steht

Weiter im Alltag:


Die durchschnittlich geringste Wochenbelastung
haben die Studierenden der Rechtswissenschaft: Im Schnitt verbringen sie
19,1 Stunden in Lehrveranstaltungen.

Stimmt. Jedoch sind nicht die Lehrveranstaltungen ausschlaggebend, sondern die Zeit in den Bibliotheken und am Schreibtisch. Erst diese Zeit ist das eigentliche Studium.


Danach folgt die Rechtswissenschaft, wo der Zeitaufwand bei knapp 44 Stunden liegt.

Das ist dann schon eher realistisch.


Kommunikative und soziale Probleme in der
Rechtswissenschaft.
Eine Beteiligung an Diskussionen bereitet jedem zweiten Studierenden in der Rechtswissenschaft ernsthafte Schwierigkeiten. Ebenso ist das Fehlen von studentischen Arbeitsgruppen und der Kontakt zu Kommilitonen öfters problematisch als in anderen Fächergruppen. Auffällig häufig sind in der Rechtswissenschaft größere Schwierigkeiten mit Lehrenden und mit der Konkurrenz unter Studierenden (vgl. Tabelle 62).



Besonders wenig Kontakte in der Rechtswissenschaft
Sehr dürftig ist die Kontaktsituation in der Rechtswissenschaft. Nur 15% der Studierenden haben zumindest manchmal Kontakt zu Professor/ innen, etwas mehr zu Assistent/innen. Jedoch stehen gerade mal 4% der Studierenden häufig in Kontakt mit Lehrenden, während 43% berichten, dass sie nie Umgang mit Professor/innen haben (vgl. Tabelle 81).



Schlechtes soziales Klima in der Rechtswissenschaft
In den einzelnen Fächergruppen erleben die Studierenden das soziale Klima sehr unterschiedlich. Am ungünstigsten stellt es sich für die Studierenden in der Rechtswissenschaft dar: Nur ein Drittel erlebt gute Beziehungen zu Lehrenden, und mehr als jeder Zweite nimmt Konkurrenz wahr (vgl. Tabelle 93).

Tja, wir kommen nicht gut weg. Aber: Es stimmt schon, zum Teil. Sehr wahrscheinlich verhindert der Notendruck ein anderen Umgang miteinander. Wenn ständig der Gedanke des „Schlechter seins“ im Kopf umherkreist können soziale Kontakte nicht zur Freundschaft werden. Ebenso verhält es sich mit Kontakten die zwar Fachintern geschlossen werden, aber da dann auch bleiben. Die meisten legen Wert auf Fachdiskussionen und häufig auch darauf Ihren sozialen Status zu zeigen. ´
Doch zurück zur Lehre:


Am seltensten erreichen nach Aussage der Studierenden die Lehrenden der Rechtswissenschaft das angekündigte Lernziel. Nur jeder vierte Studierende berichtet von einer zeitlich angemessenen Vermittlung des geplanten Lehrstoffes. Die Mehrheit der Studierenden in der Rechtswissenschaft scheint erhebliche Defizite im Lehrprogramm zu erfahren, die sie anderweitig kompensieren müssen



Am seltensten berichten die Studierenden
der Rechtswissenschaft von multimedial unterstützter Lehre. Nur 18% bezeichnen ihren Einsatz als sehr charakteristisch für ihr Fach – ein deutlicher Modernisierungsrückstand (vgl. Tabelle 108).



Die Studierenden der Rechtswissenschaft bewerten die Durchführung der Veranstaltungen und vor allem die Betreuung am negativsten. Nur jeder Vierte erlebt eine gute Betreuung durch Lehrende.



Am schwächsten sind die Bezüge zu Forschung
wie Praxis in der Rechtswissenschaft. Die Hälfte der Studierenden erlebt Forschungs-, ein Drittel Praxisbezüge. In allen anderen Fächergruppen ist die Ausbildung deutlich stärker mit beiden Bezügen durchdrungen.



Die Studierenden in der Rechtswissenschaft fühlen sich stark in der Problemlösefähigkeit, der Kritikfähigkeit und den arbeitstechnischen Fähigkeiten gefördert. Auffällig wenig Förderung erhalten sie in der Teamfähigkeit und im fachübergreifenden Denken; etwas weniger in der Allgemeinbildung und der Planungsfähigkeit.



Studierende der Rechtswissenschaft fordern häufig Veranstaltungen in kleinerem Rahmen, eine intensivere Betreuung und feste studentische Arbeitsgruppen. Wichtiger als anderen ist ihnen eine Konzentration der Studieninhalte und die Verringerung der Prüfungsanforderungen. An Brückenkursen, EDV-Schulung und Forschungsprojekten sind sie weniger interessiert.



Nur in der Rechtswissenschaft planen auffällig mehr Studierende ein Anschlussstudium im Ausland: 23% wollen nach ihrem
Studium an eine ausländische Hochschule wechseln und 15% planen auch dort ihren Abschluss (vgl. Tabelle 74).

Ich denke eines der Probleme in unserem Fach ist das immer noch gängige „Frontalprinzip“ der Professoren. Viele lesen tatsächlich alles ab, schmettern den Stoff in den Hörsaal und Wortbeiträge sind eher seltener Natur. Ich habe einen Professor der Wortbeiträge auch einfordert. Die anderen Reden im Prinzip nur, so manch einer Wort für Wort aus dem eigenen Lehrbuch raus. Probleme wie Meinungsstreits oder Klausurtaktische Fragen sind bei Professoren zwar Inhalt, aber meist einfach nur runtergerasselt. Zudem sind die Veranstaltungen häufig einfach nur überfüllt und bei einer Geräuschkulisse von 200-300 Menschen ist es nicht für jeden machbar dann auch „am Ball“ zu bleiben.
Die AG´s die ich bisher besucht habe sind eigentlich recht gut. Sie sind im kleinen Rahmen, wobei ich mehrere Male gewechselt habe um den „passenden“ AG-Leiter zu finden.
Neue Medien finden sich bei uns schon, zumindest sind zum größten Teil Materialien der Vorlesungen auf den Homepages der Professoren zu finden. Teilweise einfach nur die PP-Präsentationen, teilweise eine Stofffülle die irgendwie mal angesprochen wurde und teilweise auch einfach nur Gliederungen. Das Arbeiten am Fall findet in den AG´s statt.
Ich persönlich vermisse teilweise ausformulierte Lösungen, juristische Methodik wird zwar ständig angesprochen aber bei „Klausurtaktischen“ Fragen gehen die Angaben der Professoren mit denen der Korrektoren doch stark auseinander. Auffällig ist: Würde ich eine Klausur so schreiben wie so mancher Professor das erklärt, würde ich durchfallen. Weil der Korrektor sie einfach nicht lesen würde.

Stellt sich doch die Frage: Was kann verbessert werden damit auch die Rechtswissenschaften „besser abschneiden“?
Natürlich ist es ein leichtes Vorschläge in die Weltgeschichte zu werfen, aber es wird nichts bringen so lange die Lehre so ist wie sie ist. Der Rückgriff auf Repititoren floriert nicht allein deshalb so gut, aber die Frontal-Einstellung innerhalb der Vorlesungen bringt ihren Beitrag dazu, oder nicht?

Wie war eigentlich das Studium ohne moderne Medien? Ich komme mir manchmal richtig nostalgisch vor, mit meinen Büchern unterm Arm und den Gesetzestexten in der Vorlesung.
War das Studium „früher“ vielleicht sogar besser als heute?
Wer eine Antwort hat: Immer her damit 🙂
Schließlich experimentiere ich immernoch mit der „richtigen“ Lerntaktik, der „richtigen“ Vorlesungsstrategie und der „richtigen“ Zeitplanung.

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