Juristischer Gedankensalat

Rund um das Studium der Rechtswissenschaften

Warum Jura studieren?

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Jura gilt neben Medizin als das härteste Studium überhaupt – nicht ganz zu Unrecht, wenn man sich den Stoff, der zu lernen ist, und die Prüfungsbedingungen näher ansieht. Auch die Durchfallquoten sind höher als in anderen Studienfächern. Über die Berufsaussichten sind die Meinungen geteilt. Einerseits wird immer wieder von einer Juristenschwemme gesprochen, andererseits sind die Verdienstmöglichkeiten für Juristen – insbesondere für diejenigen, die mit Prädikatsnoten abschließen – außerordentlich. Die Wissenschaft des Rechts gilt als „trocken“, und es sind auch nicht immer die Dümmsten, die vorzeitig aufgeben. Oft ist es der scheinbar mangelnde Freiraum für Kreativität, der die Studierenden frustriert.

Wie sieht ein Jura-Student aus?

Gibt es den typischen Juristen? Die Frage lässt sich eindeutig mit Jein beantworten. Zwar gibt oft schon das Äußere recht verlässliche Hinweise auf das Studienfach Rechtswissenschaften, aber nicht alle Juristen tragen schon auf dem Campus Business-Outfit. Neben den Anzugträgern gibt es nicht wenige Weltverbesserer, die das Jura-Studium dazu nutzen wollen, später für bessere Lebensverhältnisse und mehr Gerechtigkeit zu sorgen. Viele von den Letzteren werden spätestens im Referendariat davon überzeugt, dass dieses Ziel sehr schwer zu erreichen ist. Nicht selten finden sie sich dann auf der vermeintlich falschen Seite wieder und müssen nolens volens den advocatus diaboli spielen. Erleichtert wird dies allerdings durch die Fähigkeit, für jede Meinung Argumente zu finden – und genau das lernt man im Jura-Studium.

Warum also sollte man Jura studieren? Wer ohnehin schon immer gern Rechtsanwalt (oder Richter, Staatsanwalt, Jurist bei einer Behörde) werden wollte, dem stellt sich diese Frage natürlich nicht. Der Weg ist vorgezeichnet: Es müssen lediglich die Prüfungen bestanden werden und die gewünschte Berufslaufbahn kann eingeschlagen werden. Wer zweifelt, muss sich darüber im Klaren sein, dass der Lernstoff in der Tat umfangreich ist. Und wer nicht ein gewisses Maß an rhetorischem Geschick und logischem Denken aufweist, wird es sehr schwer haben, bis zum ersten oder gar zweiten Staatsexamen durchzuhalten.

Universell einsetzbar

Was aber vor allem für das Jura-Studium spricht, ist die vielseitige Einsetzbarkeit von Juristen im Berufsleben. Es ist keineswegs so, dass die Aussichten auf die klassischen Berufe im juristischen Bereich beschränkt sind. Im Allgemeinen werden Juristen aufgrund ihrer besonderen Fähigkeiten für universell einsetzbar gehalten. Das liegt in erster Linie daran, dass Juristen dafür ausgebildet werden, Sachverhalte aus den verschiedensten Bereichen zu analysieren, korrekt sprachlich darzustellen und für jedes Problem Lösungen zu finden. Das Studium der Rechtswissenschaften ist nämlich auf jeden Fall mehr als das sture Auswendiglernen von Paragrafen.

6 Kommentare

  1. Man hört an immer soviel Schlechtes über Juristen und das Jurastudium. Danke für diese positive Betrachtung.

    Ein Referendar

  2. „Es ist keineswegs so, dass die Aussichten auf die klassischen Berufe im juristischen Bereich beschränkt sind.“

    Jaja, das hat meine Oma auch immer gesagt. Die Realität ist doch eine ganz andere. Als Nicht-Anwalt gibt es mehr oder weniger nur noch die Möglichkeit als Inhouse Legal Counsel in einer Rechtsabteilung zu arbeiten. Was sind denn die anderen Jobs, wofür es keine gut ausgebildeten Experten gibt, sondern Juristen gesucht werden, die meist keine Ahnung von BWL oder IT haben? Mal von wenigen Quereinsteigern abgesehen….welche meist schlechtweg das falsche studiert haben und dann nach dem Jura-Studium umsatteln.

  3. Viel Wahres. Aber Jura das härteste Studium? Glauben Sie mir: Geschichte, Philosophie, Mathematik oder theoretische anorganische Chemie sind nicht einfach. Jura ist da eher lau. Das Problem ist nicht so sehr das Studium, dessen Schwierigkeitsgrad man weitgehend selbst bestimmen kann. Es ist wie schon zu Zeiten Otto von Bismarcks die Prüfung. Das Berufsfeld danach ist in der Tat unfassbar vielfältig, man müsste sich aber ein paar dieser Berufe vorher mal ansehen. Und ein Nebenfach zwingend vorschreiben, das den Eindruck bei Absolventen bekämpft, sie seien allmächtig. Geschichte oder Physik vielleicht? 🙂

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  5. Ein Jurastudium verlangt sehr viel Fleis,logisches Denken u Ausdauer.
    Viele Studenten unterschätzen das u glauben 80% reiche.Die hohen Durchfallquoten von über 40 % sprechen Bände.
    Vor allem ist Jura kein “ Laberfach“. Ein falscher Satz oder Gedankengang kann eine Klausur ruinieren.
    Wer dieses kennt u akzeptiert liegt richtig mit Jura.
    Geld verdient man mit diesem Studium wie auch sonst nur wenn man gut ist.Blender werden schnell erkannt u aussortiert.

  6. 40% in Jura ist Ja wohl die Ausnahme. In den Mint Fächern sind 50% bei JEDER Klausur völlig normal. Setzen Sie sich doch mal in eine Elektrotechnik Vorlesung rein und lassen Sie das auf sich einwirken…

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