Juristischer Gedankensalat

Rund um das Studium der Rechtswissenschaften

Der LL.B. als Alternative zum Staatsexamen

| 6 Kommentare

An einigen Universitäten (z.B. Mannheim, Hamburg, Potsdam) ist es nicht nur möglich am Ende des Jurastudiums mit der 1. Juristischen Prüfung abzuschliessen, sondern sie bieten parallel dazu auch an den Bachelor of Laws an. Er bietet sich als Alternative zum klassischen Jurastudium an, sofern von vornherein klar ist: Man will kein Anwalt, Richter, Staatsanwalt oder Notar werden. Denn der LL.B. qualifiziert nicht zum Rechtsreferendariat in Deutschland.

Wem aber klar ist: „Irgendwas mit Jura – aber nicht klassisch“, der sollte sich die Möglichkeiten den Bachelor of Laws zu erwerben anschauen. Ein Vorteil des LL.B. ist eindeutig seine Vielfalt. Angeboten werden die Studiengänge in allen möglichen Kombinationen, z.B. Wirtschaftsrecht für diejenigen die später als Wirtschaftsjurist arbeiten möchten. Nach derzeitiger Rechtslage kann der Wirtschaftsjurist sogar in Verfahren ohne Anwaltszwang als Vertreter auftreten und Rechtsberatend (im Rahmen des § 6 RDG) tätig werden. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Mit einem LL.B. ist eine mit einem Anwalt zu vergleichende Tätigkeit nicht möglich.  Der LL.B. kann in den nicht-reglementierten Juristischen Beruf einsteigen und innerhalb von Unternehmen, Verbänden oder Stiftungen tätig werden.

Wer lieber etwas handfestes machen möchte und eine Ausbildung vor dem Studium beginnt, kann sogar zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und den LL.B. im Fernstudium erwerben. Eine Auflistung der derzeit angebotenen Fernstudiengänge findet sich z.B. bei fernstudieren.de.

Auch ist es möglich, die bisher im Jurastudium erbrachten Leistungen für den LL.B. anerkennen zu lassen. Für diejenigen die lieber auf Nummer sicher gehen möchten und den LL.B. erwerben möchten bevor sie ins Staatsexamen gehen ist dies eine willkommene Möglichkeit. Welche Leistungen anerkannt werden und welche Leistungen dann noch erbracht werden müssen ist von Uni zu Uni unterschiedlich.

Für diejenigen die endgültig durch das Staatsexamen gefallen sind bietet der LL.B. zunächst ein Auffangbecken. Leistungen aus dem Studium werden auch hier anerkannt und man steht nicht ganz ohne Abschluss dar.

Insgesamt halte ich den LL.B. für eine gute Alternative, auch angesichts der Kombinationsmöglichkeiten. Allerdings ist die Einschränkung der Rechtsberatenden Tätigkeit zwar nötig, aber mE angesichts der Bologna Reform doch verbesserungswürdig.

Bei allen Varianten ist jedoch eines sicher: Der Weg zum LL.M. steht offen.

 

6 Kommentare

  1. Nein, LL.B. können ebensowenig vor irgendeinem Gericht auftreten (oder außergerichtlich Rechtsberatung betreiben) wie alle anderen Nicht-Anwälte auch.

    Wie alle anderen Leute auch können sie allenfalls innerhalb von familiären, nachbarschaftlichen oder ähnlich engen persönlichen Beziehungen unentgeltlich tätig werden (§ 6 II RDG).

  2. Selbstverständlich darf jemand mit einem LL.B. bei Verfahren ohne Anwaltszwang mit entsprechender Legitimation vor Gericht auftreten. Siehe z.B.: § 79 Abs. 2 S. 2 und S. 3 ZPO oder auch § 67 Abs. 2 S. 2 und S.3 VwGO oder auch § 11 Abs. 2 S. 2 und S.3 ArbGG.
    In Bezug auf die Rechtsberatung darf darunter selbstverständlich nicht die klassische Rechtsberatung durch Anwalt verstanden werden – dafür braucht es nach wie vor einen Volljuristen.

  3. Nein, soweit nach den von Ihnen genannten Vorschriften ausnahmsweise Nichtanwälte im Parteiprozess auftreten dürfen (zB für Familienangehörige oder als Angestellte für das Unternehmen, bei dem sie beschäftigt sind), dürfen sie das völlig unabhängig davon, ob sie einen LL.B. haben. Und für Dritte dürfen sie eben nicht auftreten, wiederum unabhängig davon, ob sie einen LL.B. haben oder nicht.

  4. Ich habe in Düsseldorf einen Rechtsanwalt für eine Zivilsache gesucht und um die LLBs ohne nähere Prüfung einen Bogen gemacht. Es gibt inzwischen x Fachanwaltsbezeichnungen; da trägt ein neues Kürzel nicht zur Klarheit in einem ohnehin höchst unübersichtlichen Markt bei. Früher gab es Rechtsbeistände. Die waren eindeutig als „Nicht-Anwälte“ erkennbar. Was sind LLBs? Für mich eine Sackgasse.

  5. Nichts anderes habe ich geschrieben 🙂
    Ich befürchte wir reden aneinander vorbei. Natürlich ist ein LL.B. nicht mit einem Volljuristen zu vergleichen, das würde den Staatsexamensstudiengang und das anschließende Referendariat entwerten. Vielmehr stellt er mE eine Alternative dar, allerdings nur für diejenigen die nicht die „Vorzüge“ der Ausbildung zum Volljuristen in Anspruch nehmen wollen.

  6. Das kann ich nachvollziehen. Es geht auch nicht darum den LL.B. mit dem Volljuristen gleichzustellen. Es geht hier vielmehr um die Alternative aus Studentensicht. Für diejenigen die kein Staatsexamen ablegen möchten, aber dennoch etwas juristisches machen möchten ist der LL.B. eine Alternative. Ebenso für diejenigen die durch das Staatsexamen gefallen sind.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.