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Stalking – Ein Bericht aus Opferperspektive – Silvia Meixner mit „Gestalkt – Tagebuch der Angst“

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Stalking ist in der letzten Jahren immer mehr in den Fokus der Medien gerückt. Nach wie vor ist der Strafbestand der Nachstellung (§238 StGB) in Deutschland Neuland. Schwierig erscheint es, überhaupt fest zu machen was Stalking ist, welche Handlungen des Nachstellenden den Tatbestand erfüllen und wo die Grenze des erträglichen für die Opfer ist. Silvia Meixner wurde selbst Opfer eines Stalkers. Seit dem 30. April 2012 wird sie gestalkt, von einem Mann den sie vorher nicht kannte. Eine flüchtige Begegnung auf einer Party – das war alles. Daraus entstanden Jahre der Angst. Bis sie sich entschloss nicht mehr länger das Opfer zu sein. Sie setzte sich zur Wehr und schrieb mit „Gestalkt – Tagebuch der Angst. Wie ich mich gegen meinen Verfolger zur Wehr setze“ eine Art Anleitung für Opfer von Stalkern.

Silvia Meixner - Gestalkt - Tagebuch der Angst

Silvia Meixner – Gestalkt – Tagebuch der Angst

254 Seiten umfasst dieses Buch was Stalking greifbar macht. Silvia Meixner verzichtet auf eine harmlose Darstellung. Sie beschreibt wie es ist, wenn man verfolgt wird. Wenn das eigene Leben bedroht wird. Wenn man nicht mehr sicher ist. Wenn man nicht in den eigenen vier Wänden allein sein kann. Wenn der Blick über die Schulter dazugehört. Auf den Punkt beschreibt sie die Auswirkungen des Verhaltens eines Stalkers. Was seine Handlungen in ihrem Leben angerichtet haben.

Aber auch die Ahnungslosigkeit der Polizei und der Staatsanwaltschaft hat sie niedergeschrieben. Die Einstellung „Der macht doch nichts, der steht doch nur da.“ ist nach wie vor weit verbreitet. Meixner bringt die Situation auf den Punkt: Sie beschreibt was ihr passiert und genau dieses wird von den Beamten als harmlos abgetan. In acht Teilen führt ihr Tagebuch durch das Martyrium was schließlich zu ihrem Alltag gehört. Morddrohungen auf ihrer Mailbox, Identitätsdiebstahl, Cyberstalking der perfiden Art, stundenlanges Anstarren ihrer Wohnungsfenster. Der Stalker steigert sich zwangsläufig, da ihm keinerlei Grenzen gesetzt werden. Selbst die Sammlung von Beweisen, die von Meixner vorgelegt werden, bieten keine Grundlage für eine Ermittlung. Keine Grundlage für eine Gefährderansprache. „Der will Ihnen nur Angst machen“ als Ausrede für die Inaktivität der Polizei.

Klare Worte für ein Phänomen was in den letzten Jahren immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt ist und nicht nur Stars und Sternchen betrifft. Silvia Meixner stellt klar: Stalking ist kein Kavaliersdelikt.

Für Opfer von Stalking hat Silvia Meixner eine Art Anleitung gegeben. So können erste Schritte unternommen werden um wieder ein normales Leben zu führen. Immer wieder zwischen den Tagebüchern, gibt sie hilfreiche Hinweise an wen man sich wenden kann, definiert was Stalking wirklich ist und gibt Hinweise zum Umgang mit den Ermittlungsbehörden.

Wer selbst einen Blick ins Buch werfen möchte, klicke hier für eine Leseprobe: Leseprobe – Silvia Meixner – Gestalkt Tagebuch der Angst.v

Im Namen der Rezensorin ergeht folgendes Urteil: 

Der § 238 StGB begegnet einem im Studium sehr selten. Was auch daran liegen mag, dass er noch verhältnismäßig „jung“ ist. Die Problematik hierbei: Das Gesetz definiert nicht klar und deutlich welches Verhalten des mutmaßlichen Täters eigentlich unter § 238 StGB fällt. Das macht es für einen Stalker einfach. Solange Polizei und Staatsanwaltschaft keinen roten Faden haben, wann sie tätig werden müssen, bleibt der bittere Beigeschmack des Täterschutzes. Natürlich ist die Grenze zwischen einer harmlosen Beobachtung und Stalking oftmals verschwommen, aber im Fall von Frau Meixner ist nicht nachvollziehbar warum hier keinerlei Ermittlung stattgefunden hat. Offensichtlich bedarf es bei der Polizei und der Staatsanwaltschaft einer Schulung bezüglich der Auswirkungen auf Opfer. Denn nur so kann auch erwartet werden, dass geholfen wird. Eine Morddrohung ist nicht harmlos, das verharren vor dem Wohnhaus eines Menschen ist nicht harmlos und Cyberstalking ist ebenso wenig. Dieses Buch bietet eine Gelegenheit sich mit einer Thematik zu befassen die bisher kaum beachtet wurde. Es bietet die Möglichkeit den Blick zu schärfen und beim nächsten Stalking Opfer nicht wegzusehen.

Silvia Meixner
Gestalkt – Tagebuch der Angst: Wie ich mich gegen meinen Verfolger zur Wehr setze
ISBN 978-3453645370
8,99 € (Softcover)
Heyne Verlag

Ein Kommentar

  1. Danke für den tollen Buchtipp.
    Mich selbst betrifft es zum Glück nicht, aber eine Freundin von mir wird jetzt schon seit längerem gestalkt. Es fing am Bahnhof an, als sie auf ihren Zug wartete (wie jeden Tag vor und nach der Arbeit). Sie wurde angesprochen, hatte aber klar und höflich zu verstehen gegeben, dass sie nicht besagter Person sprechen möchte. Mittlerweile sieht sie ihn fast täglich und er gibt keine Ruhe. Sie steigt schon ein paar Stationen eher oder später aus und lässt sich dann abholen, damit der Stalker nicht weiß, wo sie wohnt. Ihr ist richtig unwohl und ich mache mir natürlich auch Gedanken um sie. Vielleicht hilft ihr ja das Buch für einen sicheren Umgang!? Ich werde es ihr definitiv empfehlen.

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