Juristischer Gedankensalat

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Druck im Jurastudium – Wie damit umgehen?

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Vor einigen Tagen gab es auf der Facebookseite von Jura-Student/in eine Diskussion zum Thema „Druck im Jurastudium“.

Grundsätzlich ist jedes Studium mit einer gesunden Portion Druck behaftet. Ob der nun innerhalb des Jurastudiums größer ist sei dahingestellt. Klar, da sind die großen Wörter „Prädikatsexamen“, „außerordentliche Leistungen“ und „Regelstudienzeit“, gewürzt mit einer Portion „Praktika“, „Auslandserfahrung“ und unter 20 sollte man auch noch sein. Nicht zu vergessen die Fremdsprachenkenntnisse, fließend versteht sich. Wer sich diesem ganzen Wunschkonzert unterwirft, der hat Druck.

Der individuelle Druck

Es gibt keinen goldenen Tipp für den richtigen Umgang mit „Druck“.
Denn: den größten Druck macht sich jeder selbst. Es ist nicht so, dass mit der Immatrikulation automatisch der Druck mit jeder Vorlesung ein wenig ansteigt und dann von Klausur zu Klausur exponentiell. Jeder geht mit der Organisation des Studiums und den eigenen Erwartungen anders um. Und damit macht sich jeder selbst einen individuellen Druck.


Dieser wird dann angereichert durch das gebetsmühlenartige Runterbeten der angeblichen „Must-Haves“ des „guten“ Jurastudenten: durchgehend Prädikatsleistungen, Praktika bei renomierten Stellen, Soft-Skills bis unters Kinn und Fremdsprachenkenntnisse über normal – im Endeffekt also nur noch Jura. 100% Jura, 24/7.
Der Jurastudent sagt eben ohne seinen Palandt nichts.

Druck ist nichts anderes als Stress, hervorgerufen durch äussere Reize führt er zu psychischen und physischen Reaktionen. Der Umgang mit Stress oder Druck kann erlernt werden. Ja, wieder Lernen – aber diesmal nicht um eine Klausur zu bestehen, sondern um ausgeglichen in eine reingehen zu können.

Der positive und der negative Stress

Negativer Stress – der sog. Disstress1 – umfasst alles was als negativ aufgefasst wird. Immer dann wenn man sich der Situation nicht gewachsen fühlt, sich überlastet fühlt und glaubt man schaffe die Klausur, Hausarbeit oder was auch immer nicht, dann ist es negativer Stress.

Positiver Stress – der sog. Eustress2 – umfasst den natürlichen Anspruch „gewinnen“ zu wollen. Indem man sich auf ein Ereignis vorbereitet – in unserem Fall die Studienleistung und motiviert ist, ist man im Eustress. Diese Form des Stresses erhöht die Leistungsfähigkeit und die Konzentration.

Jeder von uns braucht den positiven Stress um Leistungsfähig und motiviert zu bleiben. Ihr müsst also lernen eine Balance zwischen beidem zu finden. Auf welche Weise diese Balance erreicht wird, ist eine individuelle Sache.

Relaxed studieren

Ja, wie soll das denn gehen? Nun, zunächst ein Zitat von Winston Churchill:

„Man muss dem Körper Gutes tun, damit die Seele Lust hat,darin zu wohnen.“

Sucht einen Ausgleich zum Lernen. Das kann Sport sein, Hobbys aller Art oder oder oder. Etwas wo ihr – zumindest für einen überschaubaren Zeitraum – entspannen, abschalten und Kopf frei bekommen könnt. Ein Teil meines Ausgleichs ist mein Höllengerät:Höllengerät
Mehrmals die Woche eine Stunde steppe ich mir alles negative weg. Im Sommer dann auch joggen.

Füttert euren Körper! Mag blöd klingen, aber esst ausreichend und trinkt ausreichend. Ein Akkuleerlauf durch falsches oder weniges Essen kann verhindert werden. Gönnt euch auch in der Bib mal einen Kaffee, Wasser oder Tee. Geht auch mal ein Bierchen trinken. Es gibt mehr als die Mensa um den Hunger zu stillen =).

Vitaminbombe

Schlafen! Es bringt nichts die Nächte wachzuliegen und sich zu fragen was man noch hätte lernen können. „Nur noch schnell was nachgucken.“ artet in Stundenlanges nachlesen aus. Vergesst es! Die Nächte durchzumachen ist keine Lösung, denn wenn euer Körper müde ist, dann ist er auch nicht mehr aufnahmefähig. Schlaft lieber vernünftig und lernt dann frisch weiter.

Schafft euch Lernräume. Räumlich solltet ihr euch einen Lernplatz einrichten. Einen Ort zu Hause an dem ihr euch konzentrieren könnt, wo ihr euch wohlfühlt. Wenn ihr in die Bib geht, richtet euch ein. Klingt erstmal blöd, ist aber hilfreich. Nehmt euch die Zeit das Lernen vorzubereiten. Ankommen am Lernplatz, sei es durch ein Ritual, bestimmte Dinge die dabeisein müssen oder was auch immer. Wenn ihr euch wohlfühlt, lernt ihr besser und vor allem lieber.

Findet heraus wie ihr lernt. Es gibt verschiedene Lerntypen, soweit so gut. Aber welcher ist man selbst? Findet heraus wie ihr am besten den Stoff behaltet. Wenn ihr das Gefühl habt es bringt euch mehr in den Vorlesungen mitzuschreiben, dann macht das. Wenn es euch mehr bringt den Stoff in einem Lehrbuch nachzulesen – macht das. Wenn ihr eher der Typ seid, der mittels Grafischer Unterstützung lernt – nutzt das. Wenn ihr eine Kombination aus allem seid – nutzt es. Ich bin eher der Mitschreiber-Nachbearbeiter-Lehrbuch-Typ. Ich male mir Sachverhalte auf und arbeite sie dann ab. Und ich habe eine Merkwand. Was das meint? Ich zeichne mir bestimmte Fallgruppen auf und hänge sie bei mir auf. Wenn ich steppe schaue ich darauf und versuche mir die Dinge einzuprägen. Sitze ich in der Klausur, zeichne ich das gemerkte auf. Ein Teil meiner Lernwand:

Lasst euch nicht irritieren! Das ganze Gerede vom Prädikatsjuristen mit den tollen Praktika und der Vollausstattung in allen Bereichen mag zwar reizend klingen, hat aber mit der Realität nicht viel zu tun. Zunächst seid ihr Studenten und studiert. Wenn ihr euch von Anfang an diesem Wunschbild unterwerft, vergesst ihr dabei für euch die beste Lernmethode zu finden. Es bringt nichts dem großen Wunschbild hinterherzuhecheln wenn man unterwegs Grundlagen verliert, wenn man den Blick auf das große Endziel richtet. Steckt euch Etappenziele die ihr erreichen wollt. Immer von einem zum anderen. Der Weg ist das Ziel sagte schon Konfuzius. Und es stimmt. Setzt euch in einer ruhigen Minute hin und schreibt euren Masterplan. Dann habt ihr einen roten Faden für den Weg zum Ziel.

Jeder von uns hat seinen Bereich den er absolut nicht mag. Elbert Green Hubbard sagt einmal „Freundschaft: die stillschweigende Übereinkunft zweier Feinde, die für gemeinsame Beute arbeiten wollen.“
Wenn es also einen Bereich gibt den ihr nicht mögt, dann sucht einen Weg ihn zu mögen. Eure Beute sind die Punkte zum Bestehen. Um mehr geht es nicht. Man muss nun wirklich nicht alles wissen, aber man sollte wissen wo es steht. Es bringt auch nichts Schemata oder Definitionen auswendig zu lernen, aber keine Ahnung zu haben was ihr da eigentlich lernt. Lernt also zunächst das, was euch interessiert und baut darauf auf. Es funktioniert 🙂

Macht auch mal Pause. Teilt euch eure Woche gut ein und macht am Wochenende auch mal frei. Ein Lernplan ist dabei hilfreich. Struktiert das was ihr lernen müsst durch und verfasst einen Lernplan. Achtet auch auf Pausen während des Lernens. Ich zum Beispiel habe Lernblöcke von zwei Stunden, dann eine Pause. Zeit für Kaffee, Kuchen, Essen oder mal durchatmen sollte drin sein.

 

Wenn ihr Raum lasst für euch selbst und das was man Leben nennt, dann ist der Druck des Jurastudiums nicht grösser als bei anderen Studiengängen. Habt auch den Mut es so zu handhaben, es ist euer Studium – also macht es auch so wie ihr es am besten könnt. Ich weiss, viele leiden unter der Erwartungshaltung von den Eltern, wollen bei ihren Freunden unbedingt mithalten oder denken sie wären nicht gut wenn sie nicht 100% nur studieren. Aber letztlich ist es euer Berufswunsch, es bringt nichts wenn ihr schon im Studium kurz vor Burn-Out seid. Der Beruf macht Spass und es gibt für jeden von uns geliebten Rechtsverstehern einen Job 🙂

  1. siehe Wikipedia Eintrag „Stressor“ http://de.wikipedia.org/wiki/Stressor
  2. http://de.wikipedia.org/wiki/Stressor

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